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Eifel

Die Motorrad-Reviere in der Eifel

Jede Ecke fährt sich anders – hier steht, welche wie.

Die Eifel ist ein Mittelgebirge zwischen Rhein, Mosel und der belgischen Grenze und für Motorradfahrer eines der dichtesten Kurvenreviere Westdeutschlands. Hochflächen mit weiten Sichtachsen wechseln sich mit engen Bachtälern, erloschenen Vulkanen und stillen Kraterseen ab, dazwischen liegt mit dem Nürburgring die bekannteste Rennstrecke des Kontinents. Wer hier eine Tagestour zieht, fährt flüssige Passagen über offene Rücken, enges Geschlängel im Wald und lange Anstiege zu Aussichtskuppen oft im Wechsel weniger Kilometer.

Der Nürburgring: Nordschleife, Grand-Prix-Kurs und Touristenfahrten

Das Zugpferd der Region liegt bei Nürburg in der Hohen Eifel. Die Nordschleife zieht sich über gut zwanzig Kilometer und mehr als siebzig Kurven durch den Wald; der Beiname „Grüne Hölle" verweist auf die starken Steigungswechsel, Kompressionen und blinden Kuppen, die den Kurs bis heute technisch fordernd machen. Namensgeber ist die Ruine der Höhenburg Nürburg, die über dem Fahrerlager aufragt. Rund um die Strecke ist die Region an Wochenenden ein etablierter Treffpunkt der Motorradszene.

Bei den Touristenfahrten ist die Nordschleife eine öffentliche Mautstrecke: Gegen ein Rundenticket fährt man mit dem eigenen Motorrad im gemischten Verkehr, wobei die Straßenverkehrsordnung gilt, überholt wird nur links, langsamere Fahrzeuge geben rechts frei. Motorräder sind grundsätzlich zugelassen, doch Öffnungszeiten, einzelne Sperrtage für Rennen oder Industriebuchungen sowie die Preise wechseln je nach Saison. Termine und Konditionen deshalb vor der Anreise prüfen und nicht auf gut Glück anreisen. Neben dem alten Kurs liegt die moderne Grand-Prix-Strecke, auf der Renn- und Trackday-Betrieb stattfindet.

Hohe Eifel um Adenau und die Hohe Acht

Das Umland des Rings ist selbst ein Fahrrevier: Adenau mit seinem historischen Kern liegt am Fuß der Strecke, von hier fächern sich Landstraßen in alle Richtungen auf. Die B258 gilt als klassischer Eifel-Korridor mit langgezogenen Kurvenfolgen über die Höhen. Wenige Kilometer entfernt erhebt sich die Hohe Acht, mit knapp 747 Metern der höchste Berg der Eifel; der Kaiser-Wilhelm-Turm auf dem Gipfel öffnet den Rundblick über das Kuppenland. Die Straßen dieses Abschnitts stehen exemplarisch für den Reiz der Region: enge Anlieger im Tal, oben lange, übersichtliche Bögen.

Vulkaneifel: Maare, Laacher See und die Burgen von Manderscheid

Südwestlich schließt die Vulkaneifel an, geologisch eine der jüngsten Vulkanlandschaften Mitteleuropas und als UNESCO Global Geopark ausgezeichnet. Ihr Wahrzeichen sind die Maare, kreisrunde Explosionskrater, die sich mit Wasser gefüllt haben. Über Daun liegen mit dem Gemündener Maar, dem Weinfelder Maar (dem Totenmaar mit seiner einsamen Kapelle) und dem Schalkenmehrener Maar gleich drei davon dicht beieinander; das Pulvermaar bei Gillenfeld zählt zu den tiefsten natürlichen Seen Deutschlands. Als Themenroute verbindet die Deutsche Vulkanstraße die markanten Punkte, sie eignet sich als roter Faden für eine Tagesrunde.

Im Osten der Vulkaneifel liegt der Laacher See, der größte See der Eifel und Rest einer gewaltigen Eruption; an seinem Ufer aufsteigende Gasblasen zeugen bis heute vom vulkanischen Untergrund. Über dem See steht die Benediktinerabtei Maria Laach, ein geschlossen erhaltener romanischer Bau. Weiter westlich schneidet das Liesertal in die Hochfläche, dort thronen bei Manderscheid mit der Oberburg und der Niederburg zwei Burgen einander gegenüber, ein lohnender Zwischenstopp mit engen Talanfahrten.

Das Ahrtal: Rotwein zwischen steilen Schieferhängen

Nach Nordosten fällt die Eifel zum Ahrtal ab, einem der nördlichsten Rotweingebiete Deutschlands. Auf steilen Schieferterrassen wächst vor allem Spätburgunder, die Steillagen prägen das Bild der Talflanken über Orten wie Mayschoß, Dernau und Ahrweiler. Bei Altenahr windet sich die Ahr in engen Schleifen durch Felsdurchbrüche, ein fahrerisch reizvoller, oft enger Abschnitt.

Das Tal wurde im Juli 2021 von einer verheerenden Hochwasserkatastrophe getroffen, die viele Menschenleben forderte und Orte, Brücken und Straßen zerstörte. Der Wiederaufbau dauert an. Wer hier fährt, sollte mit Baustellen, Umleitungen und veränderter Streckenführung rechnen, Rücksicht auf die Anwohner nehmen und die Gegend nicht als Kulisse, sondern als sich erholende Region behandeln.

Rureifel und Nationalpark Eifel: Rursee, Vogelsang und dunkler Himmel

Der Nordwesten gehört zur Rureifel und zum Nationalpark Eifel, dem 2004 gegründeten ersten Nationalpark Nordrhein-Westfalens. Kern der Landschaft ist der aufgestaute Rursee, ergänzt vom Urftsee; die Uferstraßen um Einruhr und Rurberg bieten ein enges, kurvenreiches Auf und Ab, während die Schutzzone selbst dem Verkehr entzogen bleibt. Über dem Urftsee liegt Vogelsang, eine frühere NS-Ordensburg, die heute als Dokumentations- und Besucherzentrum (Vogelsang IP) zugänglich ist.

Am Rand des Parks lohnt Heimbach mit der Burg Hengebach und dem markanten Jugendstil-Wasserkraftwerk im Rurtal. Weil der Nationalpark als Sternenpark ausgezeichnet ist, bleibt der Nachthimmel hier außergewöhnlich dunkel, ein Argument für Übernachtung statt Durchfahrt.

Hocheifel um Kelberg: weite Hochflächen als Bindeglied

Zwischen Nürburgring und Vulkaneifel spannt sich um Kelberg die Hocheifel, eine offene, wenig bewaldete Hochfläche über weiten Teilen jenseits der 500 Meter. Alte Vulkankuppen wie der Hochkelberg gliedern das Land. Fahrerisch ist dies das Bindeglied der Region: übersichtliche, zügige Verbindungsetappen mit langen Sichtweiten, ideal um zwischen den Talrevieren Strecke zu machen, ohne den Kurvenanspruch zu verlieren.

Hohes Venn und Nordeifel an der belgischen Grenze

Ganz im Westen reicht die Eifel über die Grenze ins Hohe Venn, ein weitläufiges Hochmoor auf deutsch-belgischem Boden und Teil des grenzüberschreitenden Naturparks Hohes Venn-Eifel. Auf belgischer Seite markiert das Signal de Botrange mit 694 Metern den höchsten Punkt Belgiens. Die Straßen führen schnurgerade oder in weiten Bögen über kahle Moorflächen, eine landschaftlich eigene, exponierte Passage, auf der Wetter und Nebel rasch umschlagen.

In der deutschen Nordeifel ist Monschau der Anlaufpunkt: die Fachwerkstadt liegt eng ins Rurtal gebaut, überragt von einer Burgruine, die Anfahrten ins Tal sind schmal und verwinkelt. Roetgen am Nordrand trägt zu Recht den Beinamen „Tor zur Eifel" und bündelt die Zufahrten aus dem Aachener Raum.

Anschluss an Mosel und Rhein

Nach Süden fällt die Eifel zur Mosel ab, wo sich das Fahrgefühl komplett wandelt: enge Serpentinen führen durch Steillagen-Weinberge, der Fluss legt bei Cochem mit seiner Reichsburg und rund um Bremm mit dem Calmont, einem der steilsten Weinberge Europas, seine engen Schleifen. Nach Osten grenzt die Eifel an den Rhein bei Andernach und Koblenz. Beide Flusstäler lassen sich gut mit den Höhenetappen kombinieren, wer morgens die Maare fährt, kann nachmittags an der Mosel entlangrollen.

Versorgung

Fahrpraxis: Wetter, Höhe und Versorgung

Die Eifel ist ein Höhenrevier, auf den offenen Flächen und im Hohen Venn schlägt das Wetter schnell um, Nebel und kühle, feuchte Luft sind auch im Sommer möglich, in der westlichen Schneifel hält sich Schnee bis ins Frühjahr. Passende Kleidung und ein Blick auf die Vorhersage gehören dazu. Abseits der Hauptorte liegen Tankstellen und Werkstätten weiter auseinander als gewohnt, deshalb rechtzeitig tanken. Die fahrerisch beste Zeit reicht vom Frühjahr bis in den Herbst, wenn die Höhenstraßen frei und die Talanfahrten trocken sind.

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